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1937 Berlin – 2017 Berlin
„Selbstbildnis“, 1991
40 x 30 cm
Öl auf Leinwand
Faces, Contemporary

Galerie Paffrath

9.800 €
Johannes Grützke gehört zu jenen seltenen Künstlern, deren figurative Malerei trotz abstrakter Dominanz der 1970er-Jahre heute museale Anerkennung und stabilen Sammlerwert vereint. Seine Gründung der „Schule der neuen Prächtigkeit“ war kunstpolitisches Manifest gegen die Verdrängung gegenständlicher Malerei aus dem Ausstellungsbetrieb. Grützkes groteske Menschenbilder in altmeisterlicher Tempera-Technik verbinden theatralische Inszenierung mit satirischer Gesellschaftskritik. Seine monumentalen Staatsaufträge im Bundestag und der Paulskirche zeigen, wie seine ironische Bildsprache als reflexive Auseinandersetzung mit Demokratie verstanden wurde – eine Position, die für historisch interessierte Sammler figurativer Nachkriegsmalerei von besonderer kulturgeschichtlicher Bedeutung ist. Johannes Grützke gehört zu den bedeutendsten Vertretern der gegenständlichen Malerei in der deutschen Nachkriegskunst. Geboren 1937 in Berlin, entwickelte er eine unverwechselbare Bildsprache, die figurativen Realismus mit grotesker Überzeichnung und theatralischer Inszenierung verbindet. Während weite Teile des Kunstbetriebs der 1960er- und 1970er-Jahre von abstrakter und konzeptueller Kunst dominiert wurden, setzte Grützke bewusst auf die Darstellung des Menschen – mit all seinen Widersprüchen, Schwächen und gesellschaftlichen Verstrickungen. Seine Malerei versteht sich als kritische Beobachtung, als satirischer Kommentar zur Gegenwart und zugleich als Rückbesinnung auf handwerkliche Maltechnik und kunsthistorische Tradition. Ab 1959 studierte Grützke an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Berlin bei Hans Orlowski und Peter Janssen. Parallel arbeitete er als Kulissenschieber im Theater, eine Tätigkeit, die seinen Blick für Szenografie und dramatische Bildräume schärfte. Ein entscheidender Impuls kam 1962 durch die Teilnahme am letzten Sommerkurs von Oskar Kokoschka in Salzburg, der ihm ein Vorbild für eine Malerei bot, die zugleich emotional, intellektuell und gesellschaftskritisch sein konnte. 1973 gründete Grützke mit Manfred Bluth, Matthias Koeppel und Karlheinz Ziegler die „Schule der neuen Prächtigkeit“ in Berlin. Die Gruppe formulierte eine explizite Opposition gegen die dominance abstrakter Malerei und wollte gegenständliche Malerei als gleichberechtigte, intellektuell anspruchsvolle Position zurück in den Diskurs holen. Grützkes Menschenbilder sind geprägt von Ironie, Übertreibung und psychologischer Durchdringung. Seine Figuren wirken wie Karikaturen mit überzeichneter Muskulatur und verzerrten Gesichtszügen. Die Groteske wird zum Stilmittel, um Selbsttäuschung, Machtansprüche und soziale Rituale offenzulegen. Grützke arbeitete bevorzugt mit Tempera und Deckfarben, was seinen Bildern eine matte, flächige Anmutung verleiht. Figuren erscheinen wie auf einer Bühne arrangiert, eingefroren in symbolisch aufgeladenen Gesten. Er erhielt mehrere bedeutende öffentliche Aufträge, darunter der monumentale Fries „Der Zug der Volksvertreter“ in der Paulskirche Frankfurt und ein Wandgemälde im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestags. Diese Arbeiten im öffentlichen Raum trugen wesentlich dazu bei, dass sein Werk als kulturell relevanter Beitrag zur Selbstreflexion der Bundesrepublik galt. Ab den 1970er-Jahren lehrte Grützke an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Villa Romana-Preis und den Hannah-Höch-Preis 2012. Im Kunsthandel hat sich Grützke als stabiler Wert etabliert. Seine Werke dokumentieren eine spezifisch deutsche Nachkriegsperspektive und sind nicht nur ästhetisch reizvoll, sondern auch kulturgeschichtlich bedeutsam.

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