Linse, Johannes

1875 Rotterdam ‐ 1930 Den Haag
"Schattentheater"
55 x 67 cm
Öl auf Leinwand
Frühjahrsausstellung
Galerie Paffrath
14.500 €



Das Theater mit seinen Kostümen, Lichtern und Geschichten vor und hinter den Bühnen übte seit jeher ein starke Faszination auf die Künstler um die Jahrhundertwende aus. Auch der niederländische Maler Johannes Linse blieb da keine Ausnahme. Er thematisiert es in dem Werk Schattentheater, in dem eine junge Frau unverwandt aus dem Bild schaut. Die Unbekannte trägt ein hochgeschlossenes, schwarzes Kleid, einen breitkrempigen Hut mit leichtem Gazeschleier, eine Pelzstola und eine goldene Brosche - ein typischer Kleidungsstil von reichen Damen um 1900. Hinter ihr ist vor einer Bretterwand eine indonesische Schattenspielerpuppe zu sehen. Die Figur stellt Raden Narayana dar. Raden Narayana war der Jungennamen von Krishna, einem der drei Hauptgottheiten des Hinduismus. Die Schattenspielerfigur entstammt einem hinduistischen Epos, das im traditionellen, indonesischen Schattenspiel (Wayang Kulit) bis heute auf Java, Bali und Sumatra aufgeführt wird. Mit der Ausbreitung des Hinduismus auf Indonesien wurde auch das Theater aus Indien übernommen. Um 1600 wurde Indonesien eine der ersten niederländischen Kolonien und hieß Niederländisch-Indien. Die niederländische Kolonialherrschaft endete erst 1943. Zu Linses Zeit war es noch Teil der Niederlande, was den Bezug zu speziell diesem Schattentheater erklären mag.